Forschungsansatz

Der Titel „Energiekonflikte – Akzeptanzkriterien und Gerechtigkeitsvorstellungen in der Energiewende“ bezeichnet ein Forschungsprojekt im vom BMBF initiierten Rahmenprogramm „Forschung für nachhaltige Entwicklungen": kurz: FONA. Innerhalb dieses Rahmenprogramms ist das Forschungsprojekt neben weiteren 32 Teilprojekten dem Förderungsschwerpunkt „Transformation des Energiesystems – Umwelt- und gesellschaftsverträgliche Transformation des Energiesystems“ zugeordnet und wird vom „DLR Projektträger: Umwelt, Kultur, Nachhaltigkeit“ koordiniert.

Das Forschungsvorhaben „Energiekonflikte“ ist ein interdisziplinäres Projekt, in dem unterschiedliche methodische Ansätze und Forschungsfokusse miteinander verbunden werden. In ihm kooperieren drei wissenschaftliche Einrichtungen und ein externer Projektpartner:

Die WissenschaftlerInnen analysieren die konkrekten Konfliktfälle aus unterschiedlichen Perspektiven (Kommunikationswissenschaften, Soziologie, Umweltethik, Verwaltungswissenschaften und Mediationspraxis), um eine über die Standarddeutung der Bürger als „NIMBY­-Widerständler“ (NIMBY = Not In My Backyard, dtsch. Nicht vor meiner eigenen Haustür) hinausgehende Erklärung von Energiekonflikten zu ermöglichen. Uns geht es also keineswegs um bloße „Akzeptanzbeschaffung“. Vielmehr werden über das Anerkennen der Interessen von ProjektgegnerInnen die Chancen und die Grenzen des gesamtgesellschaftlichen Vorhabens „Energiewende“ ausgelotet, um Kriterien zu generieren, die eine weitreichende Einbindung der Projektgegner in die konkreten Planungen ermöglichen. Durch die interdisziplinäre Analyse von konkreten Fallbeispielen und Widerstandsbewegungen in den Regionen Berlin­/Brandenburg, Baden­-Württemberg und Schleswig­-Holstein sowie durch Interviews mit lokalen Stakeholdern (Bürgerinitiativen, Behörden, Betreibern etc.) werden nicht nur die Argumentationen der Projektgegner wissenschaftlich kartografiert, sondern auch die politischen, verwaltungsrechtlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen der einzelnen Projekte hinterfragt.

An dieser Stelle soll ausdrücklich unterstrichen werden, dass wir die Konfliktbewegungen durchaus als produktive Momente des gesellschaftlichen  Transformationsprozesses verstehen, den die Energiewende angestoßen hat. Die Argumente der Projektgegner legen häufig Schwachstellen und Problemlagen der aktuellen Rahmenbedingungen offen. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts sollen  dazu beitragen, ein tragfähiges Set an Kriterien zu erarbeiten, das den mit der Energiewende verbundenen Transformationsprozesses konstruktiv und mit Blick auf alle Akteure zu verbessern hilft.