Ausgangssituation und Forschungsfragen

Die Energiewende ist ein durchaus ambitioniertes gesellschaftliches  Großprojekt, das von der Bevölkerung mehrheitlich unterstützt wird. Diese allgemeine Unterstützung ändert jedoch nichts daran, dass lokale Vorhaben zur Umsetzung der Energiewende auf teilweise erbitterten Widerstand aus der betroffenen Bevölkerung stoßen. Die Debatten um die Kosten der Energiewende – speziell im Strombereich – zeigen zudem, dass auch die Kerninstrumente der Förderung erneuerbarer Energien wie das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) fortwährend kritisiert werden. 

Vor diesem Hintergrund fragt das Forschungsprojekt „Energiekonflikte“ danach, welches die Motive und Argumente der Gegner von Energiewende-Projekten sind. Handelt es sich um eine Ausprägung des sogenannten „NIMBY-Syndroms“: Man ist im Prinzip für etwas, möchte es aber nur nicht im eigenen Vorgarten („not in my backyard") haben. Oder sind es andere, komplexere Gründe, die Menschen zum Protest gegen den Ausbau erneuerbarer Energien bewegen?

Neben der Frage, welche das sind, interessieren wir uns auch dafür, unter welchen Bedingungen Projektgegner ihren Protest aufgeben würden. Geht es um mehr Transparenz oder Beteiligung beim Planungsverfahren? Oder geht es um die Beteiligung am wirtschaftlichen Ertrag? Wird die Energiewende grundsätzlich oder aufgrund eines energie-/ CO2-intensiven Lebensstils abgelehnt? Oder spielen andere Ziele (Naturschutz, Landschaftsästhetik) eine wichtige Rolle? Und kann man die faktisch gemachten Einwände nicht nur unter energie- und umweltpolitischen, sondern auch unter prozeduralen und gerechtigkeitsethischen Gesichtspunkten rekonstruieren und rechtfertigen?

Diese Fragen sollen mit Blick auf vier konkrete Handlungsfelder der Energiewende beantwortet werden: Windkraftanlagen (On-shore wind),   Flächenphotovoltaik,  Ausbau des Stromnetzes und die EEG-Umlage. Dazu werden Konflikte in drei Modellregionen exemplarisch näher untersucht: Schleswig-Holstein, Berlin-Brandenburg, und Baden-Württemberg. Als Ergebnis erhoffen wir uns eine differenzierte Erklärung, die über die allzu pauschale NIMBY-These hinaus geht.

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